
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Kultureinrichtung sind ihr wichtigstes Potenzial“, postuliert Armin Klein zu Beginn seines engagierten Aufrufs zu einer neuen, modernen Führungskultur, in der die „Ressource Mensch“ als zentraler Erfolgsfaktor für leistungsstarke, zukunftsfähige Kulturbetriebe wertgeschätzt und weiter entwickelt wird.
Das Konzept Leadership steht hier, wie Klein in seiner Einführung darlegt, für alle Merkmale und Eigenschaften von Führung, mit deren Hilfe es gelingt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Visionen, Zielen, Werten und Handlungen zu überzeugen. Kein „Führen von oben“ einer einzelnen herausragenden „Heldenfigur“ also, sondern ein ganzheitlicher systemischer Ansatz der Selbststeuerung, in dem jeder Einzelne am Kulturproduktionsprozess Beteiligte befähigt wird, möglichst optimal zum Gelingen einer gemeinsamen Vision beizutragen. Dieser prozessuale, systemische Ansatz wird auch für Kulturbetriebe von zentraler Bedeutung sein, weil nur er bei den bei den zunehmend komplexen Herausforderungen – rapider Wandel, Innovationsdruck und der Knappheit von Ressourcen und Talenten – nachhaltigen Erfolg verspricht.
Untermauert wird Kleins Ansatz mit einem kompakten theoretischen Teil, in dem der Autor die Entwicklung von der klassische Organisationstheorie – und seinem im 19. Jahrhundert geprägten mechanistischen Weltbild - hin zum Ideal der „Lernenden Organisation“ unserer postindustriellen Wissensgesellschaft und einem entsprechenden systemischen Verständnis beschreibt. Wie auch in dem vorherigen Buch, „Der Exzellente Kulturbetrieb“ gelingt es dem Autor, die Erkenntnisse moderner Organisations- und Managementlehre mittels vielfältiger Illustrationen aus Theatern, Orchestern, Museen und Musikschulen praxisrelevant für den Bedarf des deutschen Kulturbetriebs zu vermitteln.
Im folgenden „Praxisteil“ wird nach einer Beschreibung der verschiedenen Dimensionen von Führung zur Steuerung der Kultureinrichtung im „Eigenschaftsansatz“, (i.e. den individuellen Führungsqualitäten des oder der Führenden), im „Prozessansatz“ (das Führungsverhalten, beziehungsweise die Führungsstile zur Beeinflussung der Mitarbeiter) und als „Managementsystem“ (wie zum Beispiel das Mangement by Delegation, by Participation, by Objectives oder by Results) ein Modell der „Visionären Führung“ entwickelt, das über das im Kulturbetrieb bewährte Instrument der Zielvereinbarung gesteuert und im Team umgesetzt wird. Der Autor unterfüttert sein Modell mit praxisrelevantem Methodenwissen – besonders das abschließende Kapitel „Konfliktmanagement“ ist hier eine wertvolle Ergänzung.
„Leadership im Kulturbetrieb“ ist ein wichtiges und zukunftsweisendes Grundlagenwerk in der Reihe von Kleins Kulturmanagement-Publikationen. Wieder einmal ist es dem „Modernisierer“ Klein gelungen, relevante sozialwissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen Führung, Management und Organisation für den deutschen Kulturbetrieb zu erschließen. Es bleibt zu wünschen, dass die Konzepte durch den Lehrbetrieb und auch durch die Förderung entsprechender Organisations- und Personalentwicklungs-programme rasch Eingang in die Praxis des deutschen Kulturbetriebs finden.
Armin Klein: Leadership im Kulturbetrieb, Wiesbaden: Vs Verlag 2009 (153 S., 14,90 Euro)
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